Das Stress-Interview
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Bewerbungsgespräch: Das Stress-Interview

"Finden Sie nicht auch, dass Sie für diese Position viel zu unerfahren sind, ohne ausreichende Kompetenz?" Dieser Satz hat Sie im letzten Vorstellungsgespräch völlig aus der Fassung gebracht. Und während Sie noch nach Luft schnappten, kam schon die nächste Attacke: "Mit dieser Frisur und in diesem Anzug können wir Sie natürlich nicht auf unsere Kunden los lassen. Wie haben Sie sich das gedacht?" Ohne es zu wissen, sind Sie Opfer einer ganz besonderen gesprächspsychologischen Taktik geworden: dem Stress-Interview. Diese Art der Gesprächsführung per Kreuzverhör ist zwar nicht die Regel, erfreut sich auch bei einigen Personalern in der IT-Branche steigender Beliebtheit. Auch im Rahmen eines Assessment Center müssen viele Bewerber die verbalen Attacken über sich ergehen lassen. Zugegeben: Angenehm ist diese Situation nie. Aber: Mit ein paar Tricks lässt sich dem Gegenüber durchaus der Wind aus den Segeln nehmen.

Warum führen Personaler Stress-Interviews?
Ins Kreuzfeuer der unangenehmen Fragen geraten Sie nur aus einem Grund: Der Personaler möchte Ihr Selbstvertrauen erschüttern und herausfinden, wie Sie auf äußeren Druck reagieren. Schließlich stehen IT-Fachkräfte in ihrem Job häufig unter Stress, sei es, weil die Programmierung unter Zeitdruck fertig werden muss, weil der IT-Berater seine Konzepte nur schwer vermitteln kann oder weil der Helpdesk-Mitarbeiter nicht alle Anfragen sofort bearbeiten kann. Der Personaler konfrontiert Sie deshalb mit einer Reihe von unangenehmen und unerwarteten Fragen. Besonders wirkungsvoll ist eine Mischung aus Beschuldigungen, Sarkasmus, Ironie und hin und wieder einem Kompliment. Oft fehlt bei diesen Attacken jeder inhaltliche Bezug zum potenziellen neuen Arbeitsplatz.

Ablauf
Eine kurze "Anwärmphase" schafft eine entspannte Atmosphäre und die Bereitschaft, sich dem interviewenden Gesprächspartner zu öffnen. Dann beginnt der Kampf: Ihr Gegenüber beginnt, Sie massiv unter Druck zu setzen. Der Gong zur ersten Runde ertönt: "Geschönt" oder noch krasser "erstunken und erlogen" nennt Ihr Gegenüber Ihre gesamten Angaben in Ihren Bewerbungsunterlagen. Oder: "Ich habe den deutlichen Eindruck gewonnen, dass man in Ihrer Abteilung recht froh wäre, wenn Sie die Firma verlassen würden." Oder "Meiner Meinung nach, sind Sie fachlich nicht auf dem aktuellen Stand, um in der IT-Branche arbeiten zu können." Klar: Diese Fragen dienen nur der Provokation. Sie sollen Sie zum Äußersten bringen. Halten Sie sich das vor Augen, dann können Sie entsprechend gelassen und defensiv reagieren.

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Die richtige Parade
Generell gilt für Ihre Reaktion: Bloß nicht zu heftig. Bleiben Sie sachlich und warten Sie ab. Sie haben es nicht nötig, aus der Luft gegriffene Behauptungen und Anschuldigungen zu kommentieren. Versuchen Sie einfach, alle Fragen so knapp wie möglich zu beantworten. "Das ist Ihr subjektiver Eindruck. Ich weiß nicht, wie Sie dazu kommen. Ich sehe das anders." Oder: "Ich teile nicht Ihre Einschätzung bezüglich meiner Erfahrung im Umgang mit konkreten Projekten, und was den Arbeitsplatz betrifft, traue ich es mir sehr wohl zu, die anstehenden Probleme erfolgreich zu lösen." Wirken Sie nicht hilflos gegenüber den verbalen An- und Übergriffen! Besonders, wenn es zu persönlich wird, ist es schwer zu ertragen, sich nicht zu rechtfertigen.

Grenzen setzen
Überschreitet der Interviewer die Grenzen des allzu Persönlichen, sollten Sie sich Frechheiten, Unterstellungen etc. von Ihrem Gegenüber in relativ höflicher Form verbitten. Vergessen Sie nicht: Es ist ab einem bestimmten Zeitpunkt notwendig, angemessen aggressiv zu reagieren. So zeigen Sie, dass Sie in der Lage sind, sich abzugrenzen. Denn: Lassen Sie alles widerspruchslos mit sich machen, bekommen Sie dafür keinesfalls Pluspunkte. Schließlich testet das Stress-Interview nicht zuletzt Ihr Durchsetzungsvermögen!

Gesprächsfalle Passivtest
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Sie haben die Verbal-Attacken glücklich überstanden? Unter Umständen verlieren Sie aber in dieser Situation Ihre Fassung: Ihr Gegenüber verfällt in langes, ausdauerndes Schweigen. Sie geraten dadurch in Zugzwang, reden unter Umständen zu viel und geben all zu viel von sich preis. Der Personaler testet mit dieser Passiv-Taktik besonders Ihr körpersprachliches Verhalten in Stress-Situationen. Jetzt bloß nicht unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschen. Oder die Hände im Schoss verkrampfen. Warten Sie einfach ab. Kleine Gesprächspausen sind kein Problem. Und halten Sie ruhig auch während dieser Pause angemessenen Blickkontakt.

Fünf Top-Tipps fürs Stress-Interview

  • Bleiben Sie immer sachlich.
  • Lassen Sie Ihren Gesprächspartner ausreden. Fallen Sie ihm trotz aller Provokation nicht ins Wort.
  • Lassen Sie sich Zeit mit Ihren Antworten und überlegen Sie genau.
  • Versuchen Sie, eine gelassene, ruhige Körperhaltung zu bewahren.
  • Vergessen Sie nicht: Die Angriffe sind bloße Taktik und nicht persönlich gemeint.
  • Vergessen Sie nicht: IT-Fachkräfte sind begehrt. Man hat Sie nicht ins Unternehmen eingeladen, um Sie zu provozieren, sondern weil Sie ein interessanter Bewerber sind. Die erste Hürde haben Sie also bereits genommen und können entsprechend gelassen auch das Stress-Interview meistern.


    © Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader

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