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SAP-Profis brauchen gute Kinderstube

Unternehmen wählen Bewerber in erster Linie nach Persönlichkeitsmerkmalen aus, denn technische Fähigkeiten und Feinheiten können gelernt werden. Lesen Sie, was Unternehmen von einem SAP-Berater verlangen, welche Fähigkeiten sich Bewerber noch aneignen können und welche sie unbedingt mitbringen müssen und ob Beratertätigkeit im SAP-Umfeld ein Job mit langfristiger Perspektive ist.

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Welche Bewerber haben die besten Chancen?
Wie viel zählt Erfahrung, wie viel die Qualifikation?
Persönlichkeit als ausschlaggebendes Argument?

Bleiben die Gehälter stabil?

Wie sind die Beschäftigungsperspektiven?


SAP -Berater und -Entwickler stehen heute wieder ganz oben auf der Liste der gesuchten IT-Mitarbeiter. Das Beratungsunternehmen Accenture mit weltweit 140.000 Mitarbeitern sucht zum Beispiel in Deutschland 1000 IT-Berater, 30 bis 40 Prozent davon mit SAP-Wissen. Den Personalchefs und IT-Managern, die kürzlich an den CW-Diskussionsrunden zum Thema Karriere als SAP-Profi teilnahmen, ist die Erleichterung anzumerken - auch wenn sie aufgrund der Verknappung an qualifizierten IT-Fachkräften nun Schwierigkeiten haben, ihren Bedarf zu decken. Es herrscht wieder Aufbruchsstimmung im Land.



Ende des Projektstaus

Michael Allimadi, Chef der Heidelberger Personalberatung Apentia Consulting GmbH, spricht von einem Arbeitnehmermarkt: "Die Bewerber können heute wieder unter den verschiedenen Angeboten auswählen." Der Projektstau, der sich jetzt nach jahrelanger Investitionszurückhaltung seine Bahn bricht, ruft eine Nachfrage über alle Funktionalitäten des SAP-Systems hinweg hervor, wie Allimadi feststellt, sei es FI, CO oder PP, sei es Logistik oder HR. Sehr gefragt sind nach den Erfahrungen des Personaldienstleisters zudem die neuen Themen: Business Intelligence, Netweaver oder Enterprise Portal. Letzteres sei sogar "heiß begehrt". Christian Koepe von Siemens bezeichnet Business
Warehouses als Renner - auch ausgelöst durch die positive Weiterentwicklung der CRM-Software der SAP.


Trotzdem gehen Anwender und Dienstleister die Kandidatensuche sehr geplant und überlegt an. Der
Kostendruck, dem die IT-Industrie genauso wie viele andere Branchen ausgesetzt ist, lässt für Experimente
wenig Raum. "International ist der preisliche Druck wegen der Offshore-Thematik noch größer", betont
Roland Wollburg von Accenture.

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Fünf Themen spielen auf den Roundtables zur SAP-Karriere die Hauptrolle:

1. Wer hat die besten Chancen?

In vielen Feldern haben es Einsteiger noch schwerer als Bewerber mit Berufserfahrung. Nicht so im SAP-Umfeld, so die Meinung der Teilnehmer der CW-Roundtables zur SAP-Karriere. Dieter Schoon, Personalchef von Itelligence, berichtet etwa, dass in seinem Haus 30 Prozent Junioren tätig sind. Im vergangenen Jahr hat der SAP-Dienstleister, der weltweit rund 1100 Mitarbeiter beschäftigt und seinen Hauptsitz in Bielefeld hat, ihre Anzahl sogar verdoppelt. Wolfgang Neff, Vertriebschef der BTC AG in Oldenburg, ist sogar überzeugt, dass nur eine gesunde Mischung aus Junioren und Senioren langfristig Erfolge garantiert. Dabei setzt das mittelständische Beratungshaus ähnlich wie der Anwender Bayer, der nach der Schering -Übernahme jetzt die IT-Systeme konsolidiert, konsequent auf den Nachwuchs aus den Hochschulen. "Da sich die Wertschöpfungskette stark erweitert hat, suchen wir Informatiker wie auch Branchenspezialisten", erklärt Neff. Gesucht werden beispielsweise Bewerber mit Wissen um Systemlandschaften und Schnittstellen, Integratoren und Berater.


Durch den Paradigmenwechsel zur Serviceorientierung - Netweaver und Enterprise SOA lassen grüßen - ist heute für Einsteiger sogar ein besonders günstiger Zeitpunkt gekommen, so die Meinung einiger Podiumsteilnehmer. Wie Johannes Lang berichtet, wird Realtech jetzt einen sechsstelligen Betrag in die Aus- und Weiterbildung seiner "gestandenen" R/3-Berater sowie in Neu- und Quereinsteiger stecken, um für die neue Zeit gerüstet zu sein.


2. Können und Lernen - in welchem Verhältnis?

"Ist damit altes Wissen gar nichts mehr wert?" Peter Hüsener, Vorstandsvorsitzender der Lynx Consulting AG in Bielefeld, hält nichts davon, das Kind mit dem Badewasser auszuschütten: "Wer bisher erfolgreich gearbeitet hat, wird auf diesen wichtigen Erfahrungen und Kenntnissen aufbauen können und damit auch die Zukunft meistern." Gleichzeitig steht es für ihn aber außer Frage, dass weder die Kenntnisse aus den Hochschulstudiengängen ausreichen noch das Gelernte dauerhaften Wert hat: "Da sind wir nicht so beständig wie Latein", sagt der Lynx-Vorstand lachend. So weise die Hochschulausbildung "deutliche Defizite" beim Thema Prozessorientierung auf. "Prozesswissen und neue Technologien in Bezug auf SOA - das muss heute auf jeden Fall noch zusätzlich gelernt werden."


Die "Geschäftsprozesse zu verstehen" - so die einhellige Meinung in den Diskussionsrunden - wird als
lebenswichtiges Know-how angesehen und als wichtigste Veränderung der Anforderungen gegenüber früher
bestimmt. In diesem Zusammenhang bekommt dann plötzlich auch noch der Quereinsteiger seine Chance:
Der Geisteswissenschaftler aus der Geschichtsdisziplin könne im Kontext denken.


3. Gelernter SAP-Berater oder Naturtalent?

Wer meint, dass damit alle Technik- und Organisationsprofis per se beste Chancen auf SAP-Jobs haben,
liegt allerdings falsch. Mehr als das technische Wissen - als wichtige Grundlage wird etwa Java genannt -
zählt die Persönlichkeit. Lynx-Chef Hüsener umschreibt es so: "Es geht eher um den Servicegedanken und
weniger um das Technische - ein guter Berater muss helfen wollen." Für Realtech-Geschäftsführer Lang ist
die Persönlichkeit sogar das entscheidende Kriterium bei der Auswahl. Fast unisono stimmen seine Kollegen
zu, als er sagt: "Die Persönlichkeit ist das Wesentliche, daran lässt sich am wenigsten ändern." BTC-Vertriebschef Neff spitzt die Aussage weiter zu: "SAP kann man lernen; Offenheit, Kommunikationsfähigkeit, Anstand, Einfühlvermögen - kurz gesagt eine gute Kinderstube - lernt man aber mit 25 nicht mehr!"

Zwar gibt es auch heute noch vereinzelt den SAP-Entwickler, der relativ abgeschottet programmiert. Bei der
großen Mehrzahl der SAP-Jobs dagegen handelt es sich nach Meinung der Experten um Teampositionen
und um Aufgaben, die nicht nur technische Fähigkeiten verlangen, sondern vor allen Dingen strukturelles
architektonisches Denken und auch eine gewisse Neugierde erfordern. Im Personalgespräch oder in den
Auswahltrainings zeigt es sich, ob Bewerber bereit sind, mit unerwarteten Situationen umzugehen oder sich
in neue Strukturen einzufinden.


Der Hinweis auf die "gute Kinderstube" hat allerdings nicht viel mit Äußerlichkeiten zu tun: Das T-Shirt muss nicht prinzipiell gegen Krawatte und Anzug eingetauscht werden, stellen die Teilnehmer fest. Viel stärker als das Outfit bestimmt die Rolle den Alltag des SAP-Experten. Wer SAP-Berater wird, muss sich auf jeden Fall auf viele Reisen - oft verbunden mit langen Arbeitstagen - einstellen. Hier sind große Beratungsfirmen im Vorteil gegenüber kleineren SAP-Dienstleistern, weil sie sich auf die unterschiedlichen Lebensphasen ihrer Mitarbeiter besser einstellen und ihnen dynamische Karrieremodelle bieten können.


Christian Koepe von Siemens IT-Solutions and Services meint "Gründet der Berater eine Familie, kann er
seine Rolle wechseln und zum Beispiel einen weniger aufregenden Job annehmen, etwa den des Applikationsbetreuers." BTC-Mann Neff bekräftigt die Rollenabhängigkeit von der Lebensphase, in der ein
Mitarbeiter steckt: "Wenn die Kinder aus dem Haus sind, macht es auch wieder Spaß, auf Reisen zu gehen."
Grundsätzlich plädiert er für einen Wechsel der Rolle oder des Jobs alle fünf bis sieben Jahre, um auf dem
neuesten Stand zu bleiben und neue Themen kennen zu lernen. Geld sollte dabei nicht die Hauptrolle spielen.


4. Bleiben die Gehälter künftig stabil?
Die Frage, ob sich die gestiegene Nachfrage auch im Portemonnaie bemerkbar macht, bleibt trotzdem nicht
aus. So beklagen viele Personalchefs hinter vorgehaltener Hand, dass die SAP AG, die ebenfalls Experten
sucht, die Bewerber an zu hohe Gehälter gewöhne. Auch die Podiumsteilnehmer spüren den Druck, wollen
sich davon aber nicht beeinflussen lassen. Die "nackten Zahlen" trägt die Personalagentur Apentia zusammen. So berichtet Michael Allimadi, dass Einsteiger mit einem Gehalt von 30.000 Euro, erfahrene Bewerber mit bis zu 80.000 Euro rechnen können. Darüber würden manche Beratungshäuser sogar noch hinausgehen.


5. Beschäftigungsperspektive auf Dauer?

"Am wichtigsten ist es, ein 'Vermögen' aufzubauen, dass auch noch in 20 Jahren zu gebrauchen ist", betont
Wolfgang Neff und leitet damit zur letzten Frage über. Wie krisensicher ist der SAP-Job? Und: Sollte man
überhaupt noch bei einem Anwenderunternehmen anheuern, das vielleicht demnächst seine SAP-Systeme
an einen der vielen Dienstleister auslagert? Die Erinnerung an die letzte große Welle Ende der 80er Jahre,
als viele auf SAP- Software umschulten und rund zehn Jahre später entlassen wurden, scheint die Vorsicht
zu stützen. Siemens-Mann Koepe lässt die Skepsis nicht gelten und verweist auf den Markt für IT-Leistungen, der derzeit permanent wachse: "Ganz sicher ist man nie, aber sollte es kein SAP-Arbeitsplatz mehr sein, dann ist es eben ein anderer IT-Job." Aus Peter Hüsener spricht die Erfahrung des "alten Hasen" der IT-Branche. "Selbst wenn heute jemand SAP abschalten würde, wären SAP-Lösungen noch mindestens weitere 15 Jahre beim Anwender im Einsatz."

 

Quelle: Gabi Visintin

COMPUTERWOCHE, 2007

 
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