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Jobaussichten für IT-Profis weiterhin positiv

Boom und gleichzeitig Unruhe herrschen in der IT-Welt. Aufgrund von Outsourcing und Offshoring stehen bei Großunternehmen Tausende von Jobs zur Disposition. Doch es gibt keinen Grund zur Sorge um IT-Arbeitsplätze in Deutschland. Während Unternehmen Programmierjobs auslagern, suchen sie gleichzeitig IT-Profis, die sicherstellen, dass die Outsourcer ihre Leistungen in der vereinbarten Qualität erbringen.

Die Unternehmensberatung A.T. Kearney spricht davon, dass Anwenderunternehmen in den nächsten vier Jahren jeden zweiten internen IT-Arbeitsplatz abbauen wollen. Spekulationen dieser Art stoßen bei Martin Urban, CIO der Berliner Stadtreinigungsbetriebe, auf Skepsis: "Das Ganze scheint mir mit heißer Nadel gestrickt zu sein." Natürlich würden in den großen Unternehmen Jobs auf der Strecke bleiben. Dafür seien allein schon Skalen- und Industrialisierungseffekte ein triftiger Grund. Bei den mittelständischen Unternehmen sehe die Situation indes ganz anders aus. Urban: "Diese Betriebe haben aufgrund des Mangels an qualifizierten Kandidaten schon heute große Probleme bei der Rekrutierung von Mitarbeitern."

 

>Ist Outsourcing womöglich doch nicht der große Jobkiller?
Dass sich Outsourcing zum großen Jobkiller entwickeln wird, bezweifelt der IT-Verantwortliche ebenfalls. Schließlich sei das gesamte Auslagerungsthema mit Vorsicht zu genießen. Diese Erfahrung hat Urban in seinem Unternehmen jedenfalls gemacht. Obwohl die gesamte Softwareentwicklung bereits vor zehn Jahren außer Haus gegeben worden sei, wurden jetzt wieder Entwickler eingestellt. Urban: "Für die Grundlast benötigen wir eigene Programmierer. Sie springen ein, wenn es brennt oder wenn es um kleine Änderungen geht." Nach seiner Erfahrung erleichtert es die Arbeit ungemein, Anforderungen einem Inhouse-Profi durch Zuruf zu übermitteln und sie nicht einem Offshore-Computerfachmann lang und breit erklären zu müssen. Der CIO: "Fachbereich und IT können es sich nicht immer leisten, auf kulturelle Unterschiede Rücksicht zu nehmen, die bei Aufträgen in ferne Länder zu beachten sind."

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Beraterprognosen wenig hilfreich

Ähnliche Erfahrungen hat Urban mit dem Auslagern des Helpdesks gemacht: "Wenn dieser außer Haus gegeben wird, verliert man leicht das Verständnis für den Kunden." Würden die Hilfsdienste dagegen intern erbracht, bekomme der IT-Verantwortliche neben Ticketstatistiken und Call-Zahlen die tatsächlichen Probleme mit und könne früh reagieren. Der Berliner IT-Chef: "Auffälligkeiten werden nun einmal vorrangig intern besprochen. Wichtige Vorschläge und Anfragen fallen so nicht hinten runter." Urbans Resümee: "Grundsätzlich müssen wir schon weg vom Schraubenzieher und näher an die Geschäftsprozesse heran. Je höher sich die IT in der Wertschöpfungskette selbst positioniert, desto zukunftsträchtiger und hilfreicher für das Unternehmen und die IT-Mitarbeiter ist das."

Stephan Pfisterer, Arbeitsmarktexperte beim Branchenverband Bitkom, hält die Prognosen von Marktanalysten und Beratern, welche IT-Jobs wo und wann verloren gehen, ebenfalls für wenig hilfreich: "Die Medien stürzen sich auf Massenentlassungen bei Siemens oder der Deutschen Telekom. Schaut man sich aber die Zahlen im IT-Bereich genauer an, hat sich die Arbeitslosigkeit halbiert." In Wahrheit würden die Personalchefs der mittelständischen Betriebe bereits wieder an den Fachhochschulen Klinken putzen. Zudem konzentrierten sich manche Analysten zu sehr auf die IT-Abteilungen. Der Bitkom-Experte: "Warum wird eigentlich nicht erwähnt, dass Computerfachleute in Wirtschaftsbereichen wie dem Gesundheitswesen oder E-Government beste Chancen haben?" Auch werde der Aufbau von IT-Kompetenz in noch nicht so stark durchdrungenen Branchen kaum berücksichtigt.

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IT-Verband befürchtet keine neue Arbeitslosigkeit
Pfisterer räumt ein, dass in den Unternehmen, in denen die IT lediglich eine Unterstützungs- und keine strategische Rolle spielt, IT-Arbeitsplätze wegfallen. Gleichzeitig würden sich aber bei den Outsourcing-Partnern neue Jobs bilden. Der Bitkom-Mann: "Wir sehen keine neue Arbeitslosigkeit entstehen. Viele IT-Profis werden sich ganz einfach neue Jobs in anderen Branchen suchen." Er empfiehlt den Computerfachleuten, sich neben ihrem IT-Wissen noch Branchenverständnis zuzulegen. Den Unternehmen wiederum gibt er den Tipp, ihre Computerfachleute besser zu qualifizieren und stärker mit Coaching-Modellen zu arbeiten. Pfisterer: "Die Zahl der Hochkaräter nimmt ständig ab. Deshalb tun die Unternehmen gut daran, spätestens jetzt neue Personalkonzepte zu entwickeln."

Anwender arbeitet mit Inhouse-Beratern
Werner Scherer, IT-Chef bei der Döhler Group, sieht die IT-Personalsituation differenzierter. Etliche IT-Profis würden auch heute noch in der Modul- oder Tekki-Ecke festsitzen und sich somit in der Tat auf der Verliererseite befinden. Bei dem Darmstädter Unternehmen wurden bereits vor längerem organisatorische und personelle Veränderungen vorgenommen. Scherer: "Um die Projekte voranzutreiben, haben wir Process-Manager eingeführt. Ihre Aufgabe ist es, weltweit einheitliche SAP-Standard-nahe Prozesse zu schaffen. Den Prozess-Spezialisten zur Seite ständen die Inhouse-Consultants mit ihrem profunden IT-Know-how. Diese seien aus der Modulecke herausgekommen und hätten sich entsprechend weiterentwickelt. Der IT-Chef: "Da die IT-Landschaft immer komplexer wird, muss das Wissen der IT-Profis ebenfalls up-to-date sein. Das geht nur durch permanentes Dazulernen."

Ein gutes Beispiel für die zunehmende Komplexität der IT ist seiner Meinung nach die SOA-Architektur. Hier sei es die Aufgabe der Inhouse-Berater, die unterschiedlichen Softwarewerkzeuge miteinander zu kombinieren, um dann dem Process-Manager die Ideallösung zur Verfügung zu stellen. Scherer: "Der Process-Manager wiederum muss sich auf die Lösung zu hundert Prozent verlassen können, sonst nutzt die Partnerschaft nichts." Damit die Kommunikation zwischen den beiden reibungslos klappt, werden Inhouse Consultant und Process-Manager nicht getrennt, sondern gemeinsam bewertet. Scherer: "Das Projekt wird entweder ein Erfolg oder ein Misserfolg und zwar für beide." Seiner Meinung nach sollte der Process-Manager ein Betriebswirtschafts-Studium absolviert haben und über "Stallgeruch" verfügen. Schließlich müsse er auch im Fachbereich akzeptiert werden. Der IT-Experte ist überzeugt, dass Process-Manager künftig in jedem Unternehmen ihren Platz haben.

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Anforderungen an IT-Profis gestiegen

Wie seine CIO-Kollegen sieht Harald Berger, CIO der Freudenberg Haushaltsprodukte KG, den Fokus der IT-Abteilung auf den Geschäftsprozessen. Dazu zählten nicht nur die internen, sondern auch die unternehmensübergreifenden Abläufe. Berger: "Die Anforderungen an die IT-Profis sind entsprechend kräftig gestiegen." Ein weiterer Grund sei die zunehmende Internationalität der Unternehmen. Immer mehr Mitarbeiter müssten sich von A nach B bewegen und sich mit Kollegen anderer Kulturkreise austauschen. Der CIO: "Da unser Unternehmen international agiert, brauchen wir Mitarbeiter, die sich der Probleme unterschiedlicher Kulturen bewusst sind, die ihre deutsche Brille sozusagen ablegen und die ausländischen Kollegen überzeugen können." Dafür sind laut Berger IT-Profis vonnöten, die eine so genannte Change-Agent-Rolle wahrnehmen. Ihre Aufgabe sei es, Veränderungen vor dem Hintergrund des lokalen Umfelds zu verstehen und einzuordnen. Um erfolgreich agieren zu können, bräuchten diese Mitarbeiter Sozialkompetenz, fremdsprachliche Kenntnisse, Kommunikationsfähigkeit und Feingefühl. "Mitarbeiter mit diesen Fähigkeiten haben keinen Grund, sich um ihre Zukunft zu sorgen, denn die Unternehmen werden versuchen, sie auf jeden Fall im Haus zu halten."
"An einigen Unis wird noch immer Cobol gelehrt"

Marcus Eul, Principal bei A.T. Kearney in Düsseldorf und Mitverfasser der Studie zum Personalabbau in den Anwenderunternehmen, kommentiert: "Die Anforderungen steigen die Computerfachleute von heute haben nichts mehr mit den Programmierern von früher zu tun." Ein Beispiel, wie sich die Jobs verändert haben, ist für ihn das Outsourcing. Während Unternehmen Programmierjobs auslagern, suchen sie gleichzeitig IT-Profis, die sicherstellen, dass die Outsourcer ihre Leistungen in der vereinbarten Qualität erbringen. Eul: "Wir sprechen hier von den Supply-Managern. Sie steuern die IT-Dienstleister, begutachten die Performance-Berichte und prüfen, ob die Service-Levels erreicht worden sind. Diese Mitarbeiter müssen die IT verstehen, über Einkaufs-Know-how verfügen und in der Lage sein, langfristige Lieferantenbeziehungen zu managen." Da es viele unterschiedliche Outsourcing-Verträge gebe, würden Supply-Manager ebenfalls in großer Zahl gesucht.

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Beste Chancen haben seiner Meinung nach auch IT-Experten, die sich mit den Fachbereichen zusammensetzen: "Das nennen wir Demand-Management. Verantwortlich hierfür sind diejenigen Mitarbeiter im Unternehmen, die die Innovation in der IT zur Unterstützung des Geschäfts vorantreiben wie Process-Manager." Personal- und IT-Chefs müssten laut Eul überlegen, welche Profile sie benötigen, welche Gehaltsstrukturen sie abbilden wollen und welchen Bedarf sie über welche Ausbildungswege abdecken. Ihre Konzepte überdenken sollten auch die Universitäten und Industrie- und Handwerkskammern. Es bestehe nämlich die Gefahr, dass am Bedarf vorbei ausgebildet wird. Eul: "Schließlich wird an einigen Universitäten immer noch Cobol gelehrt." Trotz der pessimistischen Prognose seiner Kollegen von A.T. Kearney sieht der Manager genau wie Bitkom-Experte Pfisterer keine neue Arbeitslosigkeit entstehen: "Viele entlassene IT-Profis werden einen Job bei einem professionellen IT-Service-Provider finden und nicht wenige von ihnen dort Karriere machen."

Autor: Hans Königes

COMPUTERWOCHE, 2007

 
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