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Erfolgreiche IT-Abteilungen beschäftigen Frauen

Die Analysten von Gartner sind sich sicher: CIOs, denen es gelingt, weibliche und männliche IT-Profis nach ihren geschlechtsspezifischen Fähigkeiten einzusetzen, werden gewinnen.

"Die Autoren dieser Studie glauben, dass es an der Zeit ist, die Mythen und Realitäten bezüglich der verhaltensspezifischen Unterschiede zwischen Mann und Frau herauszustellen", schreibt ein Analystenteam von Gartner (zwei Frauen und ein Mann) in der Research Note "Women and Men in IT: Breaking Through Sexual Stereotypes". Männer und Frauen seien unterschiedlich, so die (fein beobachtete) Ausgangsthese. Und: Frauen hätten sich in den vergangen Jahren immer stärker mit Unterhaltungselektronik und IT beschäftigt.


Die Chancen, die daraus resultierten, machten sich Unternehmen jedoch noch kaum zunutze. Nur 25 Prozent der IT-Beschäftigten seien derzeit weiblich, Tendenz sinkend. "Dies ist kein Manifest, um Frauen zu fördern", beeilen sich die Autoren festzustellen. Man wolle aber die Geschlechterdiskussion neu entfachen und mit Vorurteilen bezüglich der unterschiedlichen Rollen aufräumen. Laut Gartner unterscheiden sich Männer und Frauen in der Art und Weise, wie sie arbeiten und wie sie sich am Arbeitsplatz und im Umgang mit Menschen verhalten. In den vergangenen 20 Jahren habe in Unternehmen und IT-Organisationen aber die Meinung vorgeherrscht, Frauen und Männer hätten die gleichen Stärken und Schwächen und seien für alle Jobs gleichermaßen geeignet. Im Bemühen um Gleichbehandlung habe man mit Regulierung, Kontrolle und Quoten versucht, lenkend einzugreifen.


Gartner bezieht sich auf neuere biologische und psychologische Forschungsergebnisse. Demnach sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zwar nicht so groß, wie phasenweise angenommen, doch es gibt sie - beispielsweise in folgenden fünf Aspekten:


Die besseren Zuhörer

Frauen nutzen für die Informationsaufnahme die linke und die rechte Hirnhälfte gleichermaßen und sind deshalb die besseren Zuhörer. Dies habe Folgen für viele Positionen in der IT, beispielsweise die des Business Analysten oder Teamleiters.
Männer haben Vorteile in der Wahrnehmung, insbesondere bei räumlichem Sehen und dem Erkennen von Mustern. Mit verschiedenen Aufgaben in Konstruktion und Technik kämen sie besser zurecht.
Frauen können oft besser mit Sprache umgehen. Konsequenzen können im Schriftverkehr sowie bei Vorträgen, Diskussionen oder auch der Konfliktbewältigung entstehen.
Männer sind risikofreudiger und machen dies auch gerne deutlich. Auswirkungen kann dies etwa für die Innovationsfreudigkeit eines Unternehmens und seine Konkurrenzfähigkeit haben.
Frauen verfügen über bessere soziale Skills und Empathie, sie können den Blickwinkel anderer besser einnehmen. Für Teambildung oder Verhandlungen kann das Folgen haben.


Gartner betont immer wieder, dass diese Eigenschaften individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sind, so dass kleine Teams möglicherweise nicht viel davon merken. In größeren Unternehmen ist indes die statistische Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede niederschlagen. Die Analysten empfehlen deshalb CIOs, bei der Besetzung von Funktionen und Rollen in größeren IT-Teams auf diese Unterschiede zu achten. Die Produktivität von Projektteams lasse sich so steigern, auch Prozesse der Entscheidungsfindung würden positiv beeinflusst.

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Aufgaben in der IT verändern sich

Gartner weist daraufhin, dass die starken Veränderungen, die sich gegenwärtig in den IT-Abteilungen der Unternehmen zeigen, die Beschäftigung mit dem Thema empfehlenswert erscheinen lassen. Waren IT-Abteilungen vor 20 Jahren vornehmlich mit Software-Entwicklung beschäftigt, so spielen heute Sourcing und Vendor-Management eine wichtige Rolle. Der Umgang mit Servicepartnern werde wichtig, ebenso das Funktionieren in weltweiten Teams. Der Web-2.0-Trend werde weitere Herausforderungen bringen, etwa wenn sich Unternehmen die kollektive Intelligenz von Gruppen zunutze machen wollten.


Folgende Trends sprechen laut Gartner dafür, dass Unternehmen mehr Frauen im IT-Umfeld beschäftigen sollten:

Kundenzentrierung:
Unternehmen richten sich verstärkt nach ihren Kunden aus. Neben Funktionen und Features von Produkten werden Eigenschaften wie Usability, Bequemlichkeit und Look & Feel wichtiger. Da Frauen aufgrund ihrer gestiegenen Finanzkraft immer häufiger Kaufentscheidungen fällen und dabei die letztgenannten Aspekte in den Vordergrund rücken, gewinnen sie nicht nur als Käufer an Bedeutung; auch im Herstellungsprozess ist ihr Beitrag entscheidend.
Globalisierung:
Während in Nordamerika und Europa durchaus Frauen im IT-Management auftauchen, ist das in China, Indien und Japan - noch - die große Ausnahme. Laut Gartner werden aber internationale wirtschaftliche Verflechtungen die Grenzen weiter öffnen. Frauen dürften mit ihren sprachlichen Fähigkeiten, ihrer Bereitschaft zuzuhören und ihrer sozialen Orientierung die typisch männlichen Eigenschaften - Risikobereitschaft, aggressiver Auftritt - sinnvoll ergänzen.
Übergreifende Wertschöpfungsketten:
In dem Maße, in dem die Wertschöpfungsketten der Unternehmen ineinander greifen und Collaboration zur Selbstverständlichkeit wird, müssen Beziehungen gepflegt, übergreifende Prozesse abgestimmt und die menschliche Zusammenarbeit und Kommunikation über Unternehmensgrenzen hinweg gepflegt werden. Frauen haben dabei Vorteile.
Innovation:
Unternehmen brauchen im 21. Jahrhundert einen konstanten Strom an neuen Produkten, Services und Geschäftsmodellen. Dazu muss ein Innovationsklima erzeugt werden. Laut Gartner sind dafür interkulturelle Einflüsse ebenso wertvoll wie das Zusammenwirken der Geschlechter mit ihren unterschiedlichen Stärken.
Kollektive Intelligenz anzapfen
Problemlösung:
Der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich von der Problemlösungs-Kompetenz ab. Oft wird sie heute als individuelle Aktivität meist männlicher Mitarbeiter gesehen. Die Analysten erwarten aber, dass Unternehmen verstärkt dazu übergehen werden, die kollektive Intelligenz in ihrem Unternehmen oder Netzwerk zu nutzen. Frauen werden mit ihrer Fähigkeit, formelle oder informelle Beziehungen zu knüpfen, von diesem Trend profitieren und "kraftvolle Komplementäre" zu den Männern sein.
Networking:
Anders als die Problemlösung ist Networking niemals eine individuelle Aktivität. Sowohl Frauen als auch Männer sind fähig, Beziehungen zu knüpfen, allerdings in unterschiedlicher Weise. Frauen tendieren laut Gartner dazu zu diskutieren und ein Problem möglichst schnell zu lösen. Männer dagegen spinnen Netzwerke, um längerfristig die Grundlagen für künftige Vorteile zu legen.


Gartner empfiehlt in seiner Studie, Frauen mit Interesse an der IT aktiv anzuwerben oder IT-affine Frauen in anderen Funktionen unterzubringen, sie aber stark mit den IT-Commmunities zu vernetzen. Die Unterschiede der Geschlechter sollten in Teams und Arbeitsgruppen berücksichtigt werden. Es sei Erfolg versprechender, den richtigen Mix an Skills und Verhaltensweisen zusammenzustellen, als einseitig orientierte Spezialisten mühsam umzuerziehen.

© COMPUTERWOCHE, 2007

 
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