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Deutschland als Technologie-Standort attraktiv

Anlässlich eines Pressegesprächs zwischen Vertretern von Industrie, Kapitalgebern und Wissenschaft in München äußerten sich die Teilnehmer überwiegend positiv über die Chancen, die Deutschland in einer global ausgerichteten Wirtschaft hat. Am bedrohlichsten für die Wettbewerbsfähigkeit scheint allen der zunehmende Mangel an geeigneten Nachwuchskräften in den Entwicklungsabteilungen deutscher Unternehmen.

Mann und Frau mit LAptopDass das Problem fehlender Fachkräfte von großer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist, hat gerade erst wieder der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) festgestellt. Danach kann ein Drittel der vom DIHK befragten deutschen Unternehmen offene Stellen in der IT-Branche nicht oder nur teilweise besetzen. Nach Hochrechnungen des DIHK fehlen der deutschen Wirtschaft rund 400.000 Fachkräfte. Dies würde einem Wachstumsverlust von einem Prozent entsprechen.

Hans-Jürgen Rehm, Pressesprecher der IBM Deutschland, sagte, sein Unternehmen habe momentan 200 offene Stellen, die wegen des Fachkräftemangels nicht besetzt werden könnten. "Der Markt hat sich klar von einem Nachfrage- in Richtung eines Angebotsmarktes verändert." Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) machte diverse Vorschläge, wie dem drohenden Fachkräftemangel an Ingenieuren, Mathematikern und Informatikern wirksam begegnet werden kann. So sollten etwa "ältere Bewerber und Frauen eingestellt und mehr in die betriebliche Weiterbildung investiert werden", empfahl die IAB-Forscherin Franziska Schreyer.


Wachstum findet woanders statt
Gerd Teepe, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der VDE/VDI-Gesellschaft für Mikroelektronik und Leiter des Design-Centers AMD bei Dresden, kommentierte den fehlenden Nachwuchs eindeutig: "Der Mangel an Fachkräften bedeutet für AMD ganz einfach, dass wir dann eben woanders wachsen." Alexander Duesener, Group Director Emea Marketing von Cadence Design Systems, warf ein, dass sogar China und Indien das Problem des Fachkräftemangels kennen würden. "Für sehr spezialisierte Segmente des Ingenieurwesens finden Sie in Deutschland sehr wohl gut ausgebildete Experten. In den so genannten Emerging countries sind die hingegen nicht zu haben."

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Hohe Personalkosten nicht das Problem
Standortfaktoren wie beispielsweise hohe Personalkosten haben - zumindest in einem Technologiesektor wie der Chip-Industrie - überraschenderweise eine eher untergeordnete Bedeutung. So sagte Jens Kosch, Chief Technology Officer (CTO) von der X-Fab Semiconductor Foundries AG, sein Unternehmen unterhalte Fabriken in den USA, Deutschland und Asien. In Deutschland seien sowohl die Personal- als auch die Energiekosten am höchsten: "Trotzdem ist auch der Profit in Deutschland am höchsten." Grund hierfür sei, dass man hierzulande höhere Preise verlangen könne und damit die Wertschöpfung am höchsten sei. Mike Cato, Sprecher von Intel, räumte noch mit einer anderen verbreiteten Vorstellung auf: Es sei zwar richtig, dass Teams der deutschen Intel-Niederlassung mittlerweile international besetzt sind und auch verteilt über geografische Regionen arbeiten. Aber man höre häufig den Wunsch, dass "es besser wäre, wenn alle Team-Mitglieder beieinander wären."

Gute Ausbildung, fachliche Kompetenz, keine Ahnung vom Vermarkten
Thorsten Krumm, Partner und Geschäftsführer bei der Apax Partners Beteiligungsberatung GmbH aus München, kritisierte an deutschen Ingenieuren, dass sie "keine Ahnung von Geschäftsplänen haben", Marktgegebenheiten nicht prüfen und auch die Marktchancen für ein Produkt nicht evaluieren würden. "Die betriebswirtschaftliche Seite fehlt deutschen Ingenieuren völlig." Hingegen seien It-Spezialisten und Ingenieure hierzulande sehr gut ausgebildet. Yiannos Manoli, Direktor am HSG-Imit-Institut für Mikro- und Informationstechnik e.V. und Leiter des Mikroelektronik-Lehrstuhls an der Universität Freiburg, gestand ein, dass Krumm bezüglich der Vermarktungskompetenz deutscher Ingenieure Recht habe. Allerdings ändere sich dies an deutschen Universitäten, was auch mit den neu eingeführten Bachelor-Studiengängen zusammenhänge. "Die Inhalte dieser Studiengänge müssen zu zehn Prozent aus so genannten weichen Themen bestehen", sagte Manoli. Der Professor monierte allerdings die in Deutschland geringe finanzielle Ausstattung der Universitäten. "Wenn Sie US-amerikanische Universitäten mit deutschen Hochschulen vergleichen, so verfügen erstere in aller Regel über ein Budget, das zehnmal so hoch ist." Die schlechte Ausstattung sei auch in solchen deutschen Universitäten vorzufinden, die seit neuestem den Status von Eliteuniversitäten hätten und entsprechend höhere Finanzmittel zugesprochen erhielten.

Manoli machte noch auf ein weiteres Problem der deutschen Hochschulen aufmerksam: "Die Quote der Studienabbrecher ist mit 50 Prozent viel zu hoch." Der Universitätsprofessor betonte, dass diese hohe Zahl an Studenten, die ihr Studium nicht zu Ende führen, nicht auf die Naturwissenschaften beschränkt seien. Vielmehr sei dieses Phänomen auch in anderen Studienrichtungen zu verzeichnen. Manoli wünscht sich von der Politik und der Gesellschaft, dass beide eine positive Grundhaltung zur Technik im Allgemeinen fördern. Das müsste schon im Kindergarten beginnen.

Autor: Jan-Bernd Meyer
© COMPUTERWOCHE

 
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