Spieleentwickler sind gefragt: Der Markt für Computer- und Videospiele in Deutschland boomt
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Spieleentwickler sind gefragt: Der Markt für Computer- und Videospiele in Deutschland boomt

Ausgerechnet in ein Kurhotel für Zombies hat sich Kater Stevie verlaufen. Um ihn wiederzufinden, muß der Spieler Rätsel lösen und sich durch die 3 D-Welt des Adventure Games "Ike & Stevie" klicken.

Auf dem Bildschirm nebenan fliegen knubbelige gelbe Taxis
Metro Cabs - durch die Stadt, um Passagiere aufzuspüren. Das Spiel ist grafisch und technisch noch nicht ganz ausgereift. Auch "Space Amazons" steht kurz vor der Vollendung. "Eine Art Charlie's Angels im All", faßt Jörg Reisig, Schöpfer des Strategie-Computerspiels, die Handlung zusammen. Bleich und mit Augenringen sitzen die Viertsemester der Games Academy vor dem Computer. "Wir haben die Nacht durchgemacht", erklärt Reisig schulterzuckend. Termindruck. Bis zur Games Convention in Leipzig mußte die Demo-Version fertig sein. Mit den selbstentwickelten Spielen haben sich Reisig und seine Teamkollegen auf der Spiele-Messe um Financiers bemüht. Denn einen Publisher zu finden - Unternehmen, wie Marktführer Electronic Arts oder Konsolenhersteller wie Sony oder Nintendo - der das Spiel im großen Stil produziert und vertreibt, ist der schwierigste Teil beim Spieleentwickeln.

Für viele Jugendliche ist Spieleentwickler ein Traumberuf. Warum nicht das Hobby zur Profession machen und hauptberuflich spielen? Auch wenn aus dem Spaß sehr schnell viel Arbeit wird. Tatsächlich eint alle Games-Academy-Studenten die Neigung zum Spiel. "Ich wollte immer schon in den Spielesektor", sagt Reisig, der sein Informatik-Studium vor zwei Jahren abgebrochen hat, um sich zum Spiele-Programmierer ausbilden zu lassen. "Zu theoretisch" sei das Studium an der TU Berlin gewesen "und nach sechs Semestern war immer noch kein Vordiplom in Sicht." Für die Umsetzung einer Spielidee gehen die Spielemacher aber auch mal auf die Straße: "Wir fotografieren mit der Digitalkamera Häuser ab und benutzen die Bilder als Vorlagen", sagt Christoph Jähnert (21), der gleich nach dem Abitur an die Schule kam.

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Auch Spiele machen will gelernt sein
Die Games Academy wurde 2000 als erste Spezialschule für Computer- und Videospielproduktion im deutschsprachigen Bereich gegründet. Angeboten werden drei Ausbildungen: Der zweisemestrige Lehrgang Game Designer vermittelt vor allem Kenntnisse in den Bereichen Spieletheorie, Projektplanung und -gestaltung. Game Designer sind an der Schnittstelle zwischen Projektkreation und -durchführung tätig. Die Lehrgänge Game Artist und 3 D-Programmierer sind viersemestrig. Game Artists setzen Spiele von der Idee über die Entwurfszeichnung bis hin zum fertigen Modell selbständig um. Die Ausbildung vermittelt fundierte Kenntnisse in den klassischen Bildenden Künsten Zeichnen und Modellieren sowie in Cartoonanimation und technischer Animation. Der Studiengang 3 D-Programmierer hat vor allem die klassische Informatik zum Inhalt. Die Ausbildungen schließen jeweils mit einem Zertifikat ab und kosten monatlich 635 bis 890 Euro. Im Eingangsbereich der Schule - einem Loft in Berlin-Mitte - stehen Skulpturen: Aus Ton modellierte Füße, kleine Monster, Menschlein und Torsos. "Ein Game Artist ist immer auch ein Künstler", sagt Thomas Dlugaiczyk, Rektor und Sozialpädagoge. So ist bei dieser Ausbildung auch die Fähigkeit zum künstlerischen Arbeiten und Talent zum Zeichnen Voraussetzung. "Künftige Programmierer brauchen dagegen eher Talent, mit Zahlen umzugehen und dementsprechend gute Noten in Mathe und Physik." Mit dem Platz an der Akademie erwirbt der Schüler aber in jedem Fall die Lizenz zum Spielen: "Ein Spieleentwickler muß auch gucken, ist das Spiel spielbar, kann man es gewinnen?", sagt Dlugaiczyk. Die Dozenten kommen überwiegend aus der Praxis. Und immer wieder mal sind Chefs hochkarätiger Computerfirmen zu Besuch. Auf dem Stundenplan stehen auch Deutsch, Mathe, Physik, Englisch und Sport - als Ausgleichsgymnastik. Mindestvoraussetzung für eine Aufnahme ist der Realschulabschluß.

Der Markt für Video- und Computerspiele in Deutschland boomt
Im ersten Halbjahr 2005 stieg der Umsatz um rund 15 Prozent auf 466 Millionen Euro, berichtet der Bundesverband der interaktiven Unterhaltungssoftware (BIU). Rund 19 Millionen Spiele wurden verkauft. Spieleentwickler arbeiten selbständig oder angestellt in Entwicklerstudios. Über 100 solcher Studios gibt es mittlerweile in Deutschland. Einer der "Hot Spots" der Szene ist Berlin. Auch der Unternehmensverband der Computer- und Videospielentwickler G.A.M.E. hat seinen Sitz in der Hauptstadt. Spieleschmieden, wie Radon Labs, Zeroscale oder das Spieleentwicklungskombinat (SEK) haben sich in dem Spielebiotop Berlin angesiedelt. "Vom kleinen Studio bis hin zum Unternehmen mit 30 Angestellten ist alles vertreten", sagt Verbandsvorsitzender Martin Rode.

Die Berufsaussichten sind gut
Die Branche sucht nach hochqualifizierten Fachkräften. Rode: "An guten Leuten gibt es immer einen Bedarf." Je mehr Praxis die künftigen Entwickler mitbringen, um so besser. Die Bezahlung allerdings ist eher mäßig. 1000 bis 1500 Euro verdient ein Berufseinsteiger. "Danach kommt es auf die Erfahrung und das Talent an." Wenig zeitgemäß ist der Frauenanteil. Unter den 60 Schülern der Games Academy ist gerade mal eine junge Frau. Dluigaiczyk hofft, daß sich das bald ändert und dann auch auf die Lerninhalte auswirkt: Weniger Gewalt, mehr Raffinesse.Spiele dienen aber nicht nur der Unterhaltung, es gibt auch Lernspiele oder Spiele, die Kreativität und Geschicklichkeit fördern. Der Trend geht zur besseren Grafik und zur immer realistischeren Darstellung. Am wichtigsten aber ist die originelle Spielidee.

© StepStone, 2007

 
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